Schweiz - Italien

2. 6. Wanghausen - Vaduz                                                                 445  km                  Ges:  445 km          

Eigentlich hatten wir für heuer nur einen Badeurlaub in der Toskana geplant, aber lockerine hat hartnäckig darauf bestanden, wir können ja mal über die Schweiz fahren und Como wollte sie sowieso schon immer besuchen. Ja warum eigentlich nicht und der besseren Hälfte schlägt man ja ohnehin keinen Wunsch ab.

Bevor die deutsche Maut kommt, haben wir noch einmal den Weg über München, Memmingen ins Ländle genommen. Kurz vor Feldkirch kam überraschend der Grenzübergang in die Schweiz, denn ich wollte vorher noch tanken. Zu spät, jetzt wird der Spaß eben 1,80 CHF/l kosten.

Also wir waren entsetzt. Hätten wir nicht genau gewußt, dass es dieselbe Lokation wie bei unserer Hochzeitsreise war, wären wir sicher gewesen, wir hätten uns verfahren.

Auch das braune Ziegelkonstrukt versuchen sie als Kunstwerk zu erklären.

Als sie mir dann in einem Bistro statt eines Schweizer Bieres einen Apfelmost servierten, reichte es.

Weil wir seit unserer Hochzeitsreise nicht mehr in Liechtenstein waren, sollte dort unser erster Stopp sein. Der mit 5.- CHF sehr preiswerte SP am Rheinstadion ist sehr empfehlenswert, denn er ist nachts sehr ruhig und es sind nur 500 m in die Fußgängerzone. Wir haben vor 49 Jahren dort viel flaniert und hatten das Ambiente in bester Erinnerung. Wie es wohl jetzt aussehen mag? Aber seht selbst.

3. und 4. 6. Vaduz - Como                                                                 274  km                  Ges:  719 km          

Doch selbst wir erreichten den Como See und jetzt ging mir endlich eine 100 Watt Birne auf: Mein Geschenk zum 70-er ein Flug mit dem Wasserflugzeug.

Rechts: Ein ultraschnelles Tragflügelboot. Der riesige Wasserspeier ist in Wirklichkeit ein Windrichtungsanzeiger für die Luft- und Schifffahrt.

Mit dieser blauen Cessna sollen wir morgen fliegen.

Como hat auch sonst viel zu bieten, was man bei einer Teilumwanderung auf der Seepromenade alles bestaunen kann.

Die Weiterfahrt war dagegen wunderbar. Die CH-Autobahnen sind sehr gut ausgebaut und sebst für Womos “rüttelfrei” zu genießen. Wenn man sich dem San Bernardino nähert, ist es allerdings vorbei mit der AB und eine Bundesstraße windet sich in immer engeren Serpentinen empor. Wir Bergler sind das ja gewöhnt, aber manche Nordländler entwickelten sich schon zu Fahrbahnhindernissen.
Auf der südlichen Seite des Passes ging es genau so kurvig hinunter. Da kam schon der Luganer See in Sicht, den wir halb umrundeten. Man merkte hier im Tessin schon, daß der Verkehr kräftig zunahm. Kurz vor Como waren wir besonders gescheit und pfiffen auf das Navi und fuhren den Verkehrsschildern nach. Mit dem Erfolg, daß wir die enge Altstadt am Berg durchfahren durften.

Endlich wurde es Ernst: Beim Einchecken erfuhr lockerine, daß eine Buchung nur von 2 Personen aufwärts möglich sei. Was sie unbedingt vermeiden wollte, wurde jetzt Realität: Gusti schwankte zum Flugzeug und musste auch noch die Sicherheitsbelehrung über sich ergehen lassen. Sergio hat sicher eine viertel Stunde doziert, was alles passieren kann und wie man sich bei einer Notwasserung verhalten muss. Doch endlich hat er den Motor angelassen und fuhr erst als  Boot auf den See hinaus um nach einem riesigen Anlauf abzuheben. Doch nun lassen wir die Bilder sprechen.

Nach dieser Pracht fehlen mir die Worte, denn Sergio hat auf dem gesamten Flug hauptsächlich für mich erklärt, denn ich hatte ja das Privilleg, Copilot spielen zu dürfen. Ich war für die Bedienung der “Klimaanlage” zuständig. Ein Schieber, mit dem man kleine Klappen an allen 3 Seitenfenstern öffnen und schließen konnte.

Aber wem dieser oder jener Luxustempel gehört, egal ob Oligarchen, Berlusconi, Putin, oder Kaffekapsel Millionär, die konnte ich mir beim besten Willen nicht merken. Einzig die 3 Villen auf dem rechten Bild blieben in Erinnerung. Sie wurden für einen einzigen James Bond Film erbaut und werden jetzt nur mehr prachtvoll erhalten, um einen betuchten Käufer zu finden. Gelegenheit: Die Anlage ist immer noch erhältlich.

Nach dem Flug hatten wir über 40° im Womo = Blitzstart.

4. 6. Como - Saronno                                                                30  km                  Ges:  749 km          

Die Affenhitze in Como hat uns sofort Richtung Mailand weiter getrieben. Der geteerte Stellplatz bietet  V/E und sogar einige Bäume. Wer googelt nach SP Saronno wird 2 SP´s finden. Der im Ort hat nur 3 Plätze, unserer ist mit 20 Plätzen angegeben, muß aber mit PKW,s der angrenzenden Firmen geteilt werden. Abends  ruhig, bis auf die Bahn, die nicht arg weit weg ist.

6. bis 10. 6. Saronno - Massa                                                                264  km                  Ges:  1013 km          

Nach der mühsamen Umfahrung Mailands, die etwa eine Stunde stop-and-go Verkehr gekostet hat, nahmen wir ohne Zögern die AB bis La Spezia. Wir wollten endlich ans Meer. Wegen der Hitzewelle suchten wir einen CP mit vielen Bäumen aus. Wir fanden ein Platzerl mit zwei Linden, die uns angenehmen Schatten und ein kühleres Womo bescherten.

Der Strand war um diese Jahreszeit schon recht voll. Für uns neu, denn so spät sind wir bisher nicht nach Italien gefahren.

Wir sitzen halt am Liebsten ganz vorne am Wasser, denn das Liegen auf Decken und rösten war noch nie unseres. Und das streng geregelte “Schirm und 2 Liegen” Angebot hat uns schon gar nicht reizen können.
Wie Eingeweihte mühelos erkennen, haben wir dafür unseren Bestand an Schwimmnudeln um 100% aufgestockt. Lockerine ließ sich endlich auch vom Seepferdchen Sport überzeugen.

11. bis 13. 6. Massa - Prinzipina                                                                225  km                  Ges:  1238 km          

Die Maremma, die südlichste Region der Toskana war unser nächstes Ziel. Hier wird es langsam schwierig, unbekannte CP,s zu finden, denn wir waren halt schon zu oft hier. So wurde es diesmal der CP Prinzipina, obwohl wir wussten, daß er 1 km vom Meer entfernt liegt. Einsam, riesig, ruhig und mit alten Pinien bestanden, das traf alles zu. Wir sind nur einmal zum Meer gegangen, denn bei 40° ist selbst ein 1 km Marsch eine Zumutung.

Zuviel Ruhe und Abgeschiedenheit ist offenbar auch nicht ideal für uns.

So suchten und fanden wir dann einen CP mit mehr Leben, direkt am Meer und mit Süßwasser Pool

14. bis 19. 6. Prinzipina - Rochette                                                                25  km                  Ges:  1263 km          

Ja der Camping Stella del Mare hat uns sehr gefallen. Drei Minuten zum Meer und in der anderen Richtung 2 Minuten zum Restaurant hihi. Wir haben auch erstmals alle unsere Sonnenschutz Einrichtungen aufgebaut. Sogar ein kürzlich gekauftes grünes Sonnensegel für die Querseite der Markise hat sich gut bewährt. Es durfte leider wegen Farbsünde nicht aufs Bild.

Am Strand gab es neben der Schirmchen Abteilung auch einen freien Platz, wo man sich nach Belieben niederlassen konnte.

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20. 6. Rochette - Piombino                                                               59  km                  Ges:  1322 km          

Ein, wenn auch bescheidenes Foto vom Sonnenuntergang sei mir gestattet.

Warum Piombino? Erstens waren unsere Essen- und Getränkevorräte erschöpft und hier gab es unseren Lieblingsmarkt, den Eurospin. Zweitens wollten wir einen Tag auf Elba verbringen, eh nur zum Pflastertreten in der Hauptstadt Portoferraio. Angesichts der enormen Hitze verzichteten wir auf die Überfahrt und Napoleon, sowie die Eisenerz Gewinnung müssen weiterhin ohne uns auskommen.

Lockerine schmachtete im Womo mit nassen Tüchern. Ich konnte jedoch nicht widerstehen und machte einen langen Hafenrundgang.

Abends wurde es endlich etwas kühler, so suchten wir die Altstadt auf. Wir bekamen sogar etwas Hunger, den wir erstaunlich gut stillen konnten. Der ansonsten gute Rotwein dazu hatte jedoch gut 30°. Kein Genuß!

Und so bekamen wir Elba doch noch zu Gesicht. Tagsüber war es viel zu diesig.

21. bis 27. 6. Piombino - Massa                                                              161  km                  Ges:  1473 km          

So, nun war guter Rat teuer, kein Ende der Hitzewelle abzusehen. Es muß ein CP mit Bäumen und sehr nahe am Meer sein. Was wir sonst nie tun: Wir fahren wieder nach Massa, da haben wir nur 65 m zum Meer.

Lockerine will wissen, was der alte Mann da macht. Sie watet hin und fragt in ihrem besten italienisch. Er erklärt ihr wort- und gestenreich: Er schneidet Seeigel von den Steinen ab, halbiert sie und isst roh das Innere. Auf die Frage, was ist wenn er sich sticht: Lachend sagte er Ospedale!

Hier hat eine Pinie die gottgewollte Wachstumsrichtung vergessen und schlängelt sich faul am Boden entlang.

Zur Erklärung warum hier oft Frachtschiffe auf den Bildern vorkommen: Die Nachbarstadt heisst Carrara und im dortigen Hafen werden die kostbaren Marmorsteine und Platten verschifft. Es ist so viel Verkehr, daß ständig etliche Schiffe vor dem Hafen warten müssen.

Oops, es ist schon wieder passiert, ein Sonnenuntergang über dem Meer. Morgen fahren wir in das Festland und da ist es dann sicher hihi.

Ein Antennentraum direkt am Meer ist in der Dämmerung ein Genuß für das Auge. Aber nur für Verrückte, wie  Funkamateure.

28. 6. Massa - Saronno                                                              282  km                  Ges:  1755 km          

Die fade Überlandstrecke La Spezia - Parma - Mailand stand bevor. Nach der Umrundung Mailands war die Lust zum weiter fahren verbraucht und so leisteten wir uns noch eine Nacht in dem bequemen SP Saronno.

29. 6. bis 1.7 Saronno - Chapella  (Schweiz)                                                            196  km                  Ges:  1951 km          

Wir wollten endlich ins Kühle kommen, so beschlossen wir, noch ein paar Tage in den schweizer Bergen zu verbringen. So fuhren wir über Monza, Seveso zum rechten Arm des Como Sees über Lecco, Varenna und Chiavenna zur schweizer Grenze. Von den Grenzpolizisten wurde ich befragt, ob das Womo sicher nicht überladen wäre. Denn sonst würden wir den Paß nicht schaffen. Es wurde später wirklich steil und an manchen Spitzkehren fing die Kupplung an zu stinken. Doch nach gefühlten 100 Serpentinen haben auch wir den Malojapaß mit seinen 1815 m bezwungen und erreichten das Oberengadin.

Der Anstieg zum Paß verlief erst sehr gemächlich und wir konnten die Fahrt sehr genießen, da wenig Verkehr war. Immer grüßte der Piz Bernina mit seinen 4049 m. Zum Ansehen mußten wir jedoch immer anhalten, da der Alkofen einen derart steilen Blick nach oben nicht erlaubt.

Sehr beeindruckend war auch der zusammengewachsene Felsen, der mir eine Durchfahrt in Fahrbahnmitte abzwang. 

Am Paß hielten wir für eine längere Rast an, da es kühle 28° hatte. Eine Wohltat nach soviel Schwitzen.

Dieser Route gaben wir auch folgenden Beinamen:
Der Inn vom Beginn bis Österreich. Denn in der Schweiz ist er völlig naturbelassen und fängt als reissender Bach an. In A und D ist er dagegen völlig reguliert und reizlos.
Von der Paßhöhe waren wir schnell unten beim Silser See, denn im Oberengadin bewegt man sich immer auf einer Höhe über 1500 m. Dieser See ist der Ursprung des Inns. Er mündet aber nach ca. 10 km schon wieder in den Silvaplaner See. Der See ist ein Paradies für Kite- und gewöhnliche Surfer. Leider war der dortige CP heillos überbelegt

Der Silser See in seinem satten Blau liegt völlig ruhig in der Natur und wird nur von ein paar Anglern und Spaziergängern genutzt. Er soll angeblich auch im Sommer die 10° nicht überschreiten. Meine Handprobe ergab, das könnte stimmen.

Der Silvaplaner See dagegen erstrahlt in einem hellen Türkis. Wir fuhren jedoch weiter, da der CP nicht mit unserer Altersgruppe kompatibel war. Tagsüber dröhnten schon die Ghettoblaster.

Weiter den Inn entlang, diesmal darf das Navi einen CP suchen.

Erraten, vor den Erfolg haben die Götter St. Moritz gesetzt. Denn schon am Ortseingang steht: Parkieren  für Wohnmobile nicht erlaubt. Der Inn fließt trotzdem durch, wir auch.

Wir hätten nie gedacht, daß das Navi so gute Poi´s zur CP Suche besitzt. Etwa 30 km nach St. Moritz führte es uns auf einem traumhaften CP, genau was wir jetzt brauchten. Wir erlebten hier angenehm warme Tage und sehr kühle Nächte.

Der obere CP-Teil liegt auf 1634 m Höhe und kann alle Womo und Wowa Größen aufnehmen.

Neben der Treppe vom oberen zum unteren CP entdeckten wir sogar noch frisch erblühte Maiglöckchen.

Der untere Teil etwa 60 m tiefer kann nur von Fahrzeugen mit maximal VW-Bus Größe erreicht werden. Dafür liegt er direkt am Inn. Ideal für Rafting und Kajak Fahrer.

2. 7. Chapella - Wanghausen                                                              384  km                  Ges:  2139 km          

Die Fahrt durch das Engadin, immer den Inn entlang war ein Erlebnis und zeigte uns, wie romantisch ein naturbelassener Fluß auf uns Menschen wirken kann.

Danke fürs Mitfahren und bis demnächst.
          Lockerine und Locker

Der letzte Teil der Reise durchs Engadin führte uns über Zernez, Ardez, Ramosch, Martina zum Finstermünzpass auf 1188 m Seehöhe.

Gleich dahinter war das Zollhäuschen mit einem kleinen Verkaufsgeschäft, wo wir erfolgreich unsere letzten Franken verjubelten.

Sofort nach dem Grenzübertritt war der Inn leider kaum mehr wiederzuerkennen. Starr in ein gerades Flußbett gezwungen, quält er sich über Landeck, Innsbruck, Kufstein bis Rosenheim.

Wir freuen uns auch deshalb auf das Forumtreffen, denn angeblich hat Bayern nördlich von Rosenheim knapp 20 km des Inns wiederbelebt und die grässliche Kanalstruktur abgebaut. Schön, wenn wir genau da unseren Treff hätten.

Wir verließen hier den geschundenen Inn und fuhren über Traunstein und Burghausen nachdenklich zur Womo Heimat Wanghausen.

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