Sommer 2015
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Kurzreise nach Oberitalien

24.06.  Wanghausen - Wiesing - Lazise                                                          480 km                  Ges:  480 km          

Da mir meine lockerine eine Moskito-Türe zum Geburtstag geschenkt hatte, mußte diese natürlich auch eingebaut werden. Für derartige mechanisch diffizile Arbeiten gibts nur eine Adresse: Mein Freund Hans in Wiesing. Und der meisterte die auftauchenden Problemchen  natürlich mit Bravour. Aber nachher gleich wieder heimfahren aus Tirol? Mitnichten, denn es gibt ja den Gardasee zum ausspannen.

Gleich nach dem Brenner überraschte uns ein Föhnsturm, der je weiter südlich wir kamen, immer stärker wurde. Es kam, als wäre es uns vorbestimmt: Auf einer Raststation öffneten wir gleichzeitig beide Vordertüren und wie ein schnelles Vogerl sauste das Maut Ticket Richtung Fahrbahn davon und wurde mit jedem Auto noch weiter gerissen. Nicht lebensmüde verzichtete ich auf jeglichen Bergungsversuch, denn so ein verlorenes Ticket kann ja nicht die Welt kosten. Es kann, denn in Affi (Garda sud) sollte ich statt der errechneten 32.- satte 71.- bezahlen. Ich verweigerte und bekam stattdessen einen Zahlungsbefehl mit der Möglichkeit des Einspruchs. Nach der genauen Lektüre sah ich ein, daß ein Einspruch sinnlos ist. Was lernte ich daraus? Pass auf das Ticket besser auf, notfalls lockerine drauf setzen.

Da es schon fast Hauptsaison war, habe ich einen CP etwa 3 km südlich von Lazise ausgesucht, da es auf den stadtnächsten CP´s immer überfüllt ist. Bei einem Strandbummel in die Stadt bewies sich diese Vermutung. Geradezu mit jedem Meter füllte sich der Strand mehr und wurde zum vielbeschworenen “Teutonengrill”

Dafür war die liebe mittelalterliche Altstadt wohl gut besucht, aber keineswegs überlaufen. Ein gerade stattfindendes Musikfest von Partnerstädten mußte fast an Zuschauermangel leiden.
Wir sahen und hörten den ambitionierten Jungmusikern zu und das große abendliche Rambazamba durfte gerne ohne uns stattfinden.

Die Altstadt von Lazise hat uns schon etliche Male angezogen. Wir empfinden sie als eine der reizvollsten Städtchen rund um den Gardasee, vielleicht wegen der gut erhaltenen Stadtmauern, vielleicht wegen der großen verkehrsberuhigten Zonen?

Es gibt auch ruhige enge Gässchen, wo es erstaunlich kühl bleibt und sich nur wenige Touristen hin verirren. In so einem haben wir uns ein Birra alla Spina geleistet und dazu fachkundig die ausliegende Gazzetto dello Sport gelesen. Formula uno stand ja an. Ein bissl zusammenreimen und die Bilder helfen ja auch weiter. hihi

28.06.  Lazise  -  Verona                                                                     40 km                  Ges:  520 km          

Wir haben im Süden gleich vor der Altstadt einen schönen SP “Camper Areal Porta Palio” gefunden, der ruhig und mit eur 10.- recht preiswert ist. So brachen wir zu unserer Erkundungstour auch von hier zu Fuß auf. Als erstes erreichten wir das Castel Veccio samt der Ponte Scaligero, die beide in demselben Baustil errichtet sind. Unserer Meinung nach die schönste von den vielen Adige Brücken. Vorbei am Arco dei Gavi spazierten wir zum Platz aller Plätze, dem Piazza Erbe. Übrigens hier steht auch das Gründerhaus von Borsalino. Leider ist das heute keine Hut Manufaktur mehr.

Unzählige Stände bieten alles an, was der Tourist unbedingt braucht. Es lebt und quirlt hier. Einfach atemberaubend mit dem Dom schon in Sicht und gleich nebenan die Piazza dei Signori mit seiner berühmten Dante Statue.

Von hier aus wäre es nur ein Katzensprung zur Casa di Giulietta gewesen, aber dieses Erlebnis wollten wir uns für den Rückweg aufheben. So wanderten wir zuerst zum Dom, wo ich mich sofort wieder gewaltig über den  “modernen Ablaßhandel” aufregen konnte. Damit bezeichne ich die Unsitte, in vielen oberitalienischen Kirchen ein kräftiges Eintrittsgeld zu verlangen.

Geschenkt, wir gingen lieber wieder über eine Brücke auf die Nordseite Veronas. Hier grüßt schon von Weitem die mächtige Kuppel des San Leonardo. Wir waren mit der Ansicht von Ferne zufrieden und spazierten lieber das kühle Adige Ufer entlang bis zur nächsten Brücke zurück in die Altstadt.

Auf der Suche nach einem Park, um die doch schon etwas heißgelaufenen Füße zu kühlen, entdeckten wir diesen quadratischen Innenhof, der wohl zu einem Amtsgebäude gehört. Das Besondere daran ist, daß alle vier Seiten von antiken Bauresten, die überall in Verona gefunden wurden geschmückt werden. Dadurch sind sie vor Verfall und Vandalismus geschützt. Eine ausgezeichnete Idee.

Wir haben auch unseren Park gefunden und sogar die Füße in einem kühlen Brunnen verwöhnen können. Es hatte immerhin an dem Tag etwa 35°. Jetzt waren wir fit für den wohl berühmtesten Balkon der Welt. Prima, denn der Menschenandrang in dem kleinen Innenhof überstieg alle unsere Begriffe.

Warum soviele Menschen, vorwiegend Damen der armen kleinen Julia an den Busen fassen müssen,  verstehe ich nicht so recht. Sie ist doch nur aus Bronze. Doch meine Geduld wurde belohnt und ich erwischte ein paar grabscherfreie Sekunden um dieses Foto zu schaffen.

Unser letzte Ziel dieses Tages war die Arena von Verona mit ihren berühmten Opern - Freiluftaufführungen. Es war die letzte Aida Vorstellung, die am Abend gegeben werden sollte. Wir hatten leider keine Karten. Bereits tagsüber eine beeindruckende Kulisse, kann man sie sich nachts angestrahlt nur gigantisch vorstellen.

Es soll ja in Verona sehr häufig gewittern und regnen gerade an den Opern Tagen. Unser Womo Nachbar hatte uns erzählt, er sei stolzer Besitzer von zwei Karten und der Beginn wäre um 21.00 Uhr. Wir saßen um die Zeit gemütlich vor dem Womo, als Wind und pechschwarze Wolken aufzogen. Es kam ein mächtiges Gewitter und der Regen hörte erst kurz vor 22 Uhr auf. Nachts regnete es noch einmal heftig. Der Nachbar berichtete morgens noch mit müdem Auge, aufgrund der Unterbrechungen wäre die Oper erst um 
1/2 2 Uhr früh zu Ende gewesen.

Wir verschliefen diese Nacht, um morgens für eine längere Fahrt über Bundesstraßen nach Osten gerüstet zu sein.

30.06.  Verona  - Spilimbergo                                                                   198 km                  Ges:  718 km          

wie ausgestorben liegt Spilimbergo in der Siesta Zeit, doch abends gingen wir zum Hexenwirt, gleich neben dem SP.

1.7. Spilimbergo  - Leogang                                                                   254 km                  Ges:  972 km          

Für die Weiterreise zu unserem letzten Ziel haben wir uns die Strecke über Tolmezzo, Plöckenpaß, Lienz, Reschenpaß in den Pinzgau ausgesucht. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht? Nein, diese Strecke haben wir noch nie befahren, darum wurde es einfach Zeit, es zu tun. Besonders der Plöcken hatte es in sich. Sehr eng, viele Serpentinen und dann auch noch etliche Baustellen mit Ampelregelung.
Wir wollten anschließend noch die Altstadt von Lienz besuchen, aber trotz langem Suchen fand sich absolut kein Womo tauglicher, legaler Parkplatz. Na dann eben in Matrei Mittag gegessen und eine kleiner Bummel durch den Markt. Der Reschenpaß war kein Thema und schon waren wir im Pinzgau, unserer letzten Station dieser Kurzreise.

Die Talstation der Asitz Bahnen mit seinem SP. Hier wurde gerade ein Biker Event vorbereitet, darum war sehr viel Betrieb hier.

Wir wollten jedoch eh hoch hinaus und gleich in der Früh mit der Gondelbahn auf den Asitz fahren und dann anschließend auf den Gipfel weiter wandern.

Wir schafften tatächlich die erste Gondel um 9.00 Uhr und konnten wenigstens den Morgen in angenehmer Kühle genießen. Es ist nämlich am Vortag auf dem Schotter- und Asphalt Stellplatz schon unerträglich heiss gewesen.

Auf 1900 m Höhe werden es dann etwa 20° gewesen sein, ein durchaus angenehmes Wanderwetter

Hier waren wir schon von der Bergstation Richtung Gipfel unterwegs. Der Blick nach Norden zeigt uns immer das steinerne Meer.

Kurz unter dem Gipfel erreichten wir eine riesige Baustelle. Der künstliche See wird auf das doppelte Wasservolumen erweitert, um für die Schneekanonen in künftigen Wintern genug Wasser zu haben. Zu solchen Mammutprojekten in fast 2000 m Höhe kann man geteilter Meinung sein, ökologisch gescheit ist es sicher nicht. Wir gingen weiter zum Gipfel und schauten nicht mehr zurück. Ab hier war endlich der Blick nach Süden frei und zeigte uns das gesamte Tauern Panorama mit seinen vielen Dreitausendern. Leider war es leicht diesig.

Da wir uns noch ziemlich fit fühlten, beschlossen wir den Weg bis zur Mittelstation zu Fuß zu gehen. Es war eine zweitbeste Entscheidung. Denn über die Wiesen der Seilbahntrasse entlang gab es glühende Hitze und der Pfad im Wald bestand aus lauter Schotter Serpentinen. OK endlich unten wussten wir wenigstens, was wir getan haben.

3.7. Leogang - Bergheim                                                                  128 km                  Ges:  1100 km          

Die Heimreise wurde nach einer kurzen Rast noch am selben Tag angetreten, da sich der SP mittlerweile mit noch mehr jungen Bikern gefüllt hatte, die auch ordentlich ihre Ghettoblaster dröhnen ließen. Allerding sei zur Ehre des jungen Volkes gesagt, daß am Vortag wie auf Tafeln am SP eingefordert, Ruhe ab 22.00 Uhr völlig korrekt eingehalten wurde.

Zu Hause begrüßte uns ein Vollmond, der eben über den Gaisberg herauf kroch.

Wir haben diese Kurzreise sehr genossen und besonders der Kontrast zwischen Schwimmen im Gardasee und Bergwandern war sehr reizvoll.

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