Ostspanien

11.-15.4. Marie de la Plage - Mataro / Barcelona         T  0,-   M 0,-      Start 1687 km     Ziel 1792 km     gef. 205 km

den kleinen Grenzübergang merkten wir nur an einem einzigen Spanien Schild. Die ersten ca. 30 km fuhren wir auf der super ausgebauten N2. Sie ist mir deshalb so gut erinnerlich, weil meine Navy Tante bei jedem Kreisverkehr meinte, ich solle die Ausfahrt “Nasionaldooos” nehmen. Ich brauchte einige Kreisel bis ich ihre Bemühungen, spanisch zu sprechen verstand. Später fuhren wir so küstennahe wie möglich die Costa Blanca entlang, was auch gelegentlich ganz schön enge Bergstraßen notwendig machte. Hier wechseln sich Bergstraßen und kleine Küstenstädte ständig ab.

Man sieht deutlich, daß diese Küste touristisch bereits voll erschlossen ist. Ob der hier geübte Baustil allerdings dem Charme dieser Küste gutgetan hat, bleibt fraglich. Von Polyglott & Co Lektüre erwarteten wir, die Costa Blanca wäre noch der ursprünglichste Teil Ostspaniens. Übrigens, wir hatten 2 Polyglotts Spanien mit, einen neuen und ein etwa 40 Jahre altes Exemplar meiner Tante. Die Gegensätze waren teilweise enorm und gelegentlich das Museumsexemplar genauer.

Meine Fotos beschränken sich ohnehin auf die harmloseren Städte. Doch die Betonklotz Bauweise a la Benidorm beginnt auch hier bereits fröhlich Urständ zu feiern. Hier versagt meine Linse hihi.

Mataro haben wir deshalb angesteuert, weil der CP Shuttles in die Stadt und auch nach Barcelona  anbietet. Eine feine Sache und auch einen feinen Strand haben sie, wovon ein Teil dem CP vorbehalten ist.

Doch jetzt gehts auf nach Barcelona, starten wir gleich am größten Platz der Stadt, dem Placa de Catalunya. Gleich davon abgehend Richtung Hafen kommt der Rambles, ein Bummelparadies am ehesten noch mit Berlin unter den Linden vergleichbar, aber 3 x so quirlig.

Man spaziert entlang an schön erhaltenen Wohnhäusern von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. In den Seitenstraßen ist die echte Altstadt mit unzähligen Kirchen zu finden, sowie ein Cafe, in dem Pablo Picasso Stammgast gewesen sein soll. Wir haben es leider nicht gefunden. Dafür dann am Hafen das prächtige Schloß, das jetzt stilecht als Hafenmuseum dient. Gleich nebenan einer der schönsten Yachthäfen, die ich jemals sah. Am Hafen gibt es auch das sehr interessante Meeresaquarium, wo man unter den Haien nur durch eine Glasplatte getrennt durchgehen kann. Uns hat allerdings ein Blick auf die riesige Schlange vor den Kassen auch gereicht.

Die riesige Ehrensäule von Christoph Columbus, der gebieterisch auf das Meer hinaus weist ist 2 m höher als die Säule von Lord Nelson in London. Vielleicht ein zarter Indiz, daß die stolzen Spanier die Seeschlacht von Trafalgar noch immer nicht verwunden haben, obwohl Columbus natürlich nicht daran beteiligt war. Wie auch? Lagen doch 300 Jahre dazwischen.

Eine einmalige Attraktion sind die Straßenlaternen von Barcelona. Sie beginnen immer mit einer doppelseitigen Sitzbank aus Mosaik und tragen schön gearbeitete Laternenträger aus Schmiedeeisen. Jeder Einzelne ein Kunstwerk.

Doch wenden wir uns jetzt Gaudi zu, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Der Architekt hat auch viele Wohnhäuser gestaltet, siehe links, das jetzt als Gaudi Museum dient. Sein Lebenswerk ist natürlich die Kathedrale, an der seit über 100 Jahren gebaut wird und die längst noch nicht fertig ist. Ihm war immer klar, daß er die Fertigstellung nicht erleben würde. Auf ungeduldige, Fragen, wann die Kathedrale denn fertig würde sagte er immer, mein Auftraggeber hat alle Zeit dieser Welt. Nach Fertigstellung sollen 18 Türme die Kathedrale zieren.

Leider war der Zugang ins Innere nicht möglich. Bei der Umrundung kamen wir auch  so aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Nach so viel Gigantismus waren wir nachher von diesem schönen Gebäude mit seinen Türmchen und Krönchen ganz begeistert. Ich vergaß leider Zweck und Widmung des Baues.

Unser nächster Weg führte uns zum Güell Hügel, benannt nach der Geschäftsfamilie Güell, die Gaudi das ganze Leben lang förderte und unterstützte.

Hier mußten wir zu Fuß eine recht steile Straße hinauf gehen. Von Gaudi als Naherholungspark gestaltet und der Bevölkerung gewidmet, dient er heute noch demselben Zweck. Der sehr belebt wirkende Eingangsbereich täuscht, innerhalb zerstreuen sich die Menschen auf den vielen Fußwegen und es kehrt richtig Ruhe ein.

Hier mischt sich viel Natur mit einer großen Vielfalt von Gaudis Kunstwerken.  Ob  F. Hundertwasser hier inspiriert wurde?

Diese nette Katalanin hat mir die ziemlich düstere Säulenhalle erhellt.

Gaudi wollte, dass der Park auch ständig bewohnt sein sollte und hat etwa 15 Villen geplant. Doch schon das Musterhaus erwies sich als absolut unverkäuflich. So zog er schließlich selbst dort ein.

Das Bild unten von der Spitze des Güell Hügels aufgenommen macht noch einmal die Dimensionen der Kathedrale deutlich, zeigt aber auch, wie hoch wir hier herauf gestiefelt sind. Es war jeden Meter wert.

Ebenso gibt der Hügel eine prima Aussicht auf die “Zigarre” einem 32 stöckigen Büro- Hochhaus, das heimliche Wahrzeichen des modernen Barcelona.
Zum Abschluß lief mir noch ein kleines Gaudi Türmchen vor die Linse.

Unten ist der Eingang zum Stadion des FC Barcelona, von den Fans Barca genannt. An dem Tag war weder Training noch ein Spiel. Die Menschenmassen vor den Kassen waren erstaunlich. Es gab sogar Tickets zum Besuch der wohlgemerkt leeren Umkleidekabinen. Seltsam, der Schweiß von Messi & Co muß doch eine andere Qualität besitzen, als der von uns Sterblichen.

Das letzte Bild zeigt den königlichen Park. Hier wohnte die königl. Familie in den heissen Sommermonaten. Nach Ende des Franco Regimes verzichtete die Königsfamilie auf das Schloß aufgrund steigenden Unwillens aus dem Volk. Heute ist der Park schön gepflegt und für das Volk frei zugänglich.

Diese historische Straßenbahn fährt noch regelmäßig auf bestimmten touristisch interessanten Linien im Stadtkern.

16.4.   Mataro - Cambrils / Tarragona          Tank  0,-    Maut 0,-          Start 1792 km     Ziel 1960 km     gef. 168 km

Weiter ging die Reise immer Richtung Süden und wir haben die Liebe zur Landstraße entdeckt, obwohl in Spanien viele AB ohne Gebühr sind. Die Nationalstraßen sind meist sehr gut ausgebaut, wenn nur die vielen Kreisel nicht wären. Immerhin haben sie meist einen netten Eyecatcher in der Mitte.

Der ACSI CP Cambrils verwöhnte uns wie es selten der Fall war. Wer campiert schon gerne unter Palmen? Und eine eigene Halbinsel keine 10 m vom Womo entfernt gehörte auch noch zu unserer Parzelle. Ein echtes Idyll. Eine Radltour nach Tarragona wäre angesagt gewesen, aber angesichts dieses Südseetraums verzichteten wir gerne. Leider mussten wir schon weiter, weil wir über die Osterfeiertage in Valencia bleiben wollten.

17. - 20.4.   Cambrils - Betera / Valencia          T  85,-    M 0,-          Start 1960 km     Ziel 2196 km     gef. 236 km

Gut gestärkt und ausgeruht kann es am Karfreitag per U-Bahn los gehen zur ersten Valencia Besichtigung. Daß wir schon am Weg zur Station den ersten Osterhasen auf freier Wildbahn sahen, kann ja nur ein gutes Omen sein.
Versehen mit elektronischen Fahrscheinen stiegen wir fröhlich in die erste Garnitur ein. Der Schreck war groß, in der U-Bahn gibt es keine Entwerter, nur draußen am Bahnsteig. Lockerine sagte, ich spring beim nächsten Halt schnell raus und entwerte. Ich begleitete sie bis zur Tür, um sie notfalls aufzuhalten. Vergebens, der Zug fuhr trotz Türblockade ohne mein einziges Eheweib ab. Panik, was tun? Natürlich ebenfalls in der nächsten Station raus und auf den nächsten Zug  1 Stunde warten. GsD ist meine Liebe im nächsten Zug. Ihre erste Frage: Wo ist meine Tasche??? Ich hatte sie nicht, denn sie hat sie auf dem Sitz stehen lassen. Dann beichtete sie mir kleinlaut, weil wir ja nur auf einem unversperrten Stellplatz stehen, hat sie alle Wertsachen, Pässe, Bargeld in ihren kleinen Lederrucksack gepackt. Das sind die Momente, wo  Deo und Knie gleichzeitig versagen. Wir sind dann ins Zentrum gefahren in der Hoffnung, dort einen englisch sprechenden Angestellten zu finden und unser Unglück erklären zu können. Verhext, die verstanden kein Wort deutsch oder englisch, ich kein Wort spanisch. Erst nach einer Ewigkeit fielen mir meine paar Brocken italienisch ein und damit konnte eine Dame verstehen was uns passiert war. Sie führte mich zu einer Säule mit einer Gegensprech-  anlage und sagte: Mister Inglese. Tatsächlich verstand mich der Mann und versprach am Endbahnhof unseres Zuges anzurufen, ob etwas gefunden worden wäre. Kurz darauf fragte er: is it black bag? Ja er war es und jemand hat ihn abgegeben und wir sollen nach Torrent fahren und den Rucksack abholen. Wir bekamen sogar noch 2 Tickets geschenkt. Der Betriebsleiter dort übergab meiner lockerine schließlich mit einem strahlenden Lächeln den Rucksack.

Bei Tortosa überquerten wir den Ebro, der eine Art Grenzfluß zwischen Katalanien und dem “wirklichen” Spanien darstellt.

Kaum in der Region Valencia angekommen, erschienen auch schon die ersten Orangen- und Mandarinen Plantagen. Der einmalige Duft baumgereifter Früchte zog kräftig durch das Womo. Leider nirgens eine Haltemöglichkeit für einen kleinen Mundraub. Dafür dann abends die verdiente Paella samt einem Glaserl Rioja,.

Warum erzähle ich diese lange Geschichte? Weil sie uns dreierlei gelehrt hat. Erstens werden wir nie mehr an der Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit der Südländer zweifeln. Zweitens gibts den Osterhasen wirklich und er bringt Glück. Und zu guter Letzt hat lockerine schnell spanisch gelernt, denn der Betriebsleiter bekam sichere 10 gracias fehlerfrei von ihr. Trotz aller Verständigungsprobleme hatten wir von allen Beteiligten das sichere Gefühl, daß sie unsere Not erkannten und unbedingt helfen wollten. Muchas gracias Espana
So ein Abenteuer macht Hunger. Also zurück in die Stadt, um Körper und Geist mit Valencias Reizen zu erfreuen.

Wir konnten am Dom gerade noch das Ende der Karfreitags Prozession miterleben. Hier die schwarzen Klageweiber.

Oben die Markthalle, Karfreitag leider geschlossen. Dafür viele Oster-Trödelmärkte rund um den Dom. Das bärtige Original will ich euch auch nicht vorenthalten. Und immer wieder prächtige Keramik- und Kachel Arbeiten.

Die Stierkampf Arena, nur der Vollständigkeit halber geknipst, aber gleich daneben der Nordbahnhof, außen und innen prächtiger Jugendstil und jede Menge toller Kachelarbeiten. Wer beides liebt wie wir, ist in Valencia genau richtig. Bemerkenswerte Bauten innerhalb der Ringstraße sind meist Kirchen oder Banken ;-)

Noch ein Jugendstil: Die alte Markthalle, jetzt Cafes und Bazars.

Der Karsamstag war dem Faulsein und der Heilung unserer seelischen und körperlichen Blessuren gewidmet. Schon am Ostersonntag ging es wieder nach Valencia. Jetzt mit ganz kleinem Marschgepäck. ;-)
Mit diesen Backwaren feiert man in Valencia Ostern.

Wir beginnen unsere  Tour auf dem sehr speziellen Wander- Erholungs- Vergnügungspark, nämlich in dem kultivierten Flußbett des Turia, der vor über 100 Jahren wegen der ständigen Über - schwemmungen um die Stadt umgeleitet wurde. Das Flußbett wurde mit vielen tropischen Bäumen und Gewächsen bepflanzt und ist eine wahre Oase der Erholung geworden. Der Blick auf die neu gebaute Oper ist vom Turia aus nicht ganz so spektakulär, aber immer noch beeindruckend.

Rechts oben über die größte Fußgängerbrücke das Tor zur Altstadt. Links das Haus der Kunst mit Palmen sogar im ersten Stock. Die vielen exotischen Bäume haben wir großteils gar nicht erkannt. Leider gab es auch keine Schautafeln, wo man das nachlesen könnte.
Die Strecke den trockengelegten Turia entlang ist insgesamt 14 km lang. Wir haben davon 8 km geschafft, von der Innenstadt bis zum Strand.
Kurz vor dem Hafen kam dann die Yachtwerft in Sicht, die durch ihr erstaunliches Erscheinungsbild uns völlig in ihren Bann zog. Hier werden keine Jollen und 470er gebaut, sondern die Großyachten der Leute, die nicht nach dem Preis fragen müssen.

In Hafennähe wurden wir noch  staunende Gäste einer Oster - Prozession, an der alle 50 Gemeinden beteiligt waren, die die Region Valencia bilden. Jede Gemeinde besitzt ihre eigenen Farb Nuancen.

Dieser Künstler hier am Strand hat buchstäblich auf Sand gebaut.

Nach so viel Sinneseindrücken und mit weichen Knien fiel wir rein zufällig in eine mexikanische Cerveceria wieder am Hafen. Das Bier schmeckte herrlich und der Betrieb hier für unsere Ohren erst gewöhnungsbedürftig, aber dann äußerst lustig anzusehen.  Eine etwa 60-jährige Donna hat den Laden mit viel Lautstärke Einsatz geschmissen, so daß die durchwegs jungen Kellner nur so sprangen.

21. Betera / Valencia  El Campello / Alicante          T  0,-    M 0,-          Start 2196 km     Ziel 2440 km     gef. 244 km

An Valencia vorbei die Costa Brava entlang konnten wir mal sehr küstennah und dann wieder etwas im Hinterland schön auf der Landesstraße vorwärts kommen. Calpe mit seinem Felsen “Klein Gibraltar” war ein schöner Platz zum Mittagessen mit einem kleinen Stadtbummel hinterher.

Dann rasch an Benidorm mit seinen Hochhäusern vorbei nach Alicante. Kurze Stadtbesichtigung per Womo und dann weiter auf den kleinen CP in El Campello. Eine kleine Küstenstadt mit einem schönen Sandstrand, der auch nicht so überlaufen wie in Alicante ist.

22. + 23. 4   El Campello / Alicante  -  Guadamar          T  0,-    M 0,-    Start 2440 km     Ziel 2529 km     gef. 89 km

Die Stadt Guadamar wird von einer mächtigen Festungsanlage aus der Neuzeit beschützt, die von mir natürlich erstiegen wurde, während meine Göttergattin auf dem Wochenmarkt die Zeit tot schlug. Die Festung ist nicht so überwältigend, wohl aber die Ausblicke auf die näher liegenden Städte. 250 m Höhenunterschied sind auf Meeresniveau eine ganze Menge.

Ein kurzer Abstecher nach Elche sollte uns die Dame von Elche und die 17.000 Palmen zeigen. Die Dame war eine Kopie und das Original steht längst in Madrid und die Palmen (ich habe nicht nachgezählt) sind auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, statt in einem riesigen Palmenhain. Ergo, nicht so richtig prickelnd der Abstecher.

Wie fast immer ereilt uns lockerines Geburtstag auf Reisen. Guadamar ist die Stadt der Langustenzuchten. Deshalb hat sie sich ein 4 gängiges Fischmenü ausgesucht. Ich mag es nicht, wenn einen die Viecher so vorwurfsvoll vom Teller aus anstarren.  GsD hatten sie auch was Gutes und so konnte ich ein Steak Valencia genießen.

Wir haben die Touristenhochburgen Benidorm und Alicante erfolgreich hinter uns gebracht und können jetzt noch intensiv die Traumstrände an der Costa Brava  genießen. Ja die Costa gibt es auch fast menschenleer mit riesigen Buchten und feinsandig. Badewetter war auch schon, also nix wie rein ins kühle Nass

24. 4.  Alicante / Guadamar  - Almeria        T  85.-    M 14,-          Start 2529 km     Ziel 2814 km     gef. 285 km

Wir wollten endlich nach Andalusien. Aber vorher kamen noch viele  km Nationalstraße nach Cartagena. Diese Stadt hatte es uns besonders angetan, denn wir durchfuhren sie gleich zwei mal. Also echt 2 x hin und 2 mal zurück. Schuld war mein kränkelndes Navi, das dauernd die Satelliten verlor. Außer dem bemerkenswerten Rathaus ist uns sonst nichts mehr erinnerlich.

Endlich den Weg zur Sierra de la Almenara gefunden, verließen wir auch schon bald die Region Murcia und erreichten Andalusien. Eine wahrhaft andere Welt. Doch davon mehr im Teil Südspanien.

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