Anreise

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, so will ich euch am Beginn jeder Etappe eine Landkarte zeigen mit dem  Fahrtverlauf in rot. Die blauen Kreise sind unsere Übernachtungsstationen. Dank Wikimaps ist das jetzt gratis und völlig legal möglich. Who the heck is google maps? ;-)

6.4.  Bergheim - Cremona                   Tank  52.-       Maut 21.-          Start 0 km     Ziel 560 km     gef. 560 km

Amati und  Stradivari waren die wohl berühmtesten Geigenbauerfamilien

Auch die längste Reise fängt mit dem ersten km an. Wir flüchteten über die AB vor dem einsetzenden Starkregen Richtung Brenner. Und tatsächlich kurz nach Erreichen Italiens kam die Sonne zum Vorschein, die uns nun viele Wochen treu bleiben sollte. Nichts wie weg von der Autobahn, um durch Südtirol und das Trentino die blühenden Apfelplantagen zu bewundern. Besonders der vergessene Apfel aus dem Vorjahr hatte es mir angetan. Er sah völlig frisch aus.

So zuckelten wir weiter fast bis Verona, um dann die AB Brescia zu nehmen, weiter nach Cremona, denn ich wollte einmal die Stadt der berühmten Geigenbauer besuchen und ein Stellplatz nur 10 Gehminuten vom Altstadtkern entfernt klingt auch nicht übel.

Auch heute noch  ist praktisch die gesamte italienische Produktion von Violinen und Cembali in Cremona angesiedelt.

Es handelt sich durchwegs um Familienbetriebe, die seit Generationen dieses erlesene Handwerk in ihrer schönen Stadt ausüben.

7.+ 8.4.   Cremona - Ventimiglia                 Tank  107.-    Maut 29.-          Start 560 km     Ziel 913 km     gef. 353 km

Weiter gings über Piacenca, Alessandria, Arenzane per AB, um Zeit fürs Bummeln an der Blumenriviera zu gewinnen. Hier auf der SS1 fährt man von Bucht zu Bucht und von Städtchen zu Städtchen, aber halt alles mit Tempo 30, weil der chaotische Verkehr nicht mehr zuläßt. Dadurch kriegt auch der Fahrer ein wenig von dieser Traumgegend mit.

Buchten, Palmen, Bananen in allen Stadien der Reife, man möchte schon ein wenig neidisch werden auf dieses milde Klima zwischen Savona über San Remo bis Imperia. Ventimiglia hier in der Abendsonne ist schon wieder ein Stück westlich von dieser fast tropischen Klima-Kleinzone. Dafür hat diese Stadt einen anderen Vorteil: Noch in Italien und nur ein Katzensprung nach Monaco.

Als bekennender Formel 1 Fan war ein Besuch dieses außergewöhnlichen Fürstentums natürlich Pflicht. Die frz. Staatsbahnen nicht gerade in meiner besten Erinnerung haben uns in 20 Minuten problemlos zum HBF Monte Carlo befördert.

Während des Anstiegs zum Schloß ein Blick  auf den Hafen. Schier unglaublich, daß 3 Wochen nach unserem Besuch hier schon die F1 Motoren dröhnen. Oben erwartet uns viel Polizei um das fürstliche Schloß, aber sie tritt dezent auf und stört uns nicht.

Im ziemlich spartanisch ausgestatteten Dom wird gerade renoviert. Im völligen Gegensatz der futuristisch ausgeführte Orgelprospekt. Meinen Respekt vor so viel Mut. Mir gefällt so etwas sehr, aber es wird wohl auch Andersdenkende geben?

Egal von wo aus man den Schloßberg hinunter blickt, es gibt immer wieder überraschende Aussichten. Die Möwe sitzt ganz sicher aus demselben Grund hier.

9.4.   Ventimiglia  -  Grimaud             Tank  0.-    Maut 25.-          Start 913 km     Ziel 1059 km     gef. 146 km

Die Einreise nach Frankreich wollten wir ganz einfach gestalten und Monte Carlo auf der AB umfahren. Schon an der franz. Mautstation hatte ich mein erstes Erlebnis mit der gällischen Logik. Ich fuhr unbekümmert auf die PKW Mautanlage zu, bis ich kurz vor dem Häuschen eine nur 2 m hohe “Teppichstange” sah. Keinerlei Hinweisschild vorher. Guter Rat teuer. Die Maut-Angestellte kam dann heraus und gab einen schnellen Französischkurs, aber ihr hektisches Deuten nach hinten überzeugte mich, zum erstem Mal im Leben auf der AB gut 70 m rückwärts zu fahren und mir dann in der LKW Schlange einen Platz zu erbetteln. Ohne lockerines unbezahlbares Talent, den Verkehr zu regeln, hätte das leicht ins Auge gehen können. Selbst die dicksten Brummi Fahrer haben Respekt vor 153 cm Entschlossenheit. Danke

Nachdem der erste Streß abgebaut war, mußte ein Schuß Deo und eine Jause her! Anschließend blieben wir gleich bis Nizza auf der AB, um dann  den Rest bis etwa St. Tropez an der Cote d Azur entlang zu fahren. Die Fahrt durch die vielen Städte war eigentlich einfacher als vermutet. Aber wir mussten schon feststellen, dass eigentlich alles verbaut ist und man mit dem Womo kaum ein Plätzchen zum Anhalten findet. So fuhren wir notgedrungen immer weiter, bis wir in Grimaud auf unseren angedachten CP stießen. Prima CP, nettes Personal das sogar gerne Englisch spricht! Vom CP waren es nur gute 8 km bis Saint Tropez, so waren die Räder schnell abmontiert und wir strampelten los.

Die Strecke ist eigentlich ohne Anstrengung zu fahren, da man ohne vielHöhenmeter nur die Bucht umrundet. Leider ist der Radweg Teil der extrem stark befahrenen einzigen Zufahrtsstraße. Wir fühlten uns wie Kettenraucher.

Im Städtchen gibt es den Hafen, die Festungsanlage und die vielen verwinkelten Seitengäßchen zu bestaunen. Einen deutlich erkannbaren Ortskern sucht man vergeblich.

Eigentlich ein nettes Fischerdörfchen, wenn nicht Brigitte Bardot sich im letzten Jahrhundert hier niedergelassen hätte. Das löste einen Boom aus und die Grundstücks- und Mietpreise übertreffen sogar Monaco. Mit Folgen: Für 2 kleine Bier a 0,25 l berappte ich  11.- Teuronen. Egal, man will ja nicht nur in kleinen Kuhdörfern einkehren.

10.4.   Grimaud - Arles            Tank  0.-    Maut 5,5.-          Start 1059 km     Ziel 1315 km     gef. 258 km

Wieder an der Cote entlang weiter nach Westen. Abermals viele schöne Aussichten, aber keine Haltemöglichkeit für vernünftige Fotos. Deshalb haben wir in Toulon die Küstenstraße verlassen, um Marseille großräumig zu umfahren, was uns einige Frankreich Erfahrene angeraten haben. Noch dazu haben wir beschlossen, wann immer möglich die Autobahnen der Franzmänner zu meiden. Das geht ganz gut und die Landstraßen sind oft erstaunlich gut ausgebaut.

Durch die riesigen Wälder der Provence mit ihren Korkeichen ging es über Aix en Provence, Salon de Provence nach Arles. Außer einem Ministück AB fanden wir immer brauchbare Nationalstraßen.

Arles die 2000-jährige Stadt, hat noch viele Relikte aus der Römerzeit, wie Brücken, Viadukte, Profanbauten und natürlich das Amphietheater. Die modernen Stadtväter haben einen ganz lockeren Umgang mit dem alten Gemäuer. zB haben sie eine längere Brücke für einen großen Kreisverkehr an zwei Stellen durchschnitten und die Reste stehen lassen. Wir kaufen dafür um Millionen Kreisverkehrs - Kunstwerke. Hihi

Dank einer Uni und vieler Fachschulen ist Arles eine Stadt der Jugend geworden und speziell die jungen Leute sprechen gerne und gut Englisch und sind auch sonst sehr kontaktfreudig. Wir haben uns sehr wohl gefühlt in Arles. Südfrankreich wäre durchaus einmal eine Extrareise wert.

11. + 12.4.   Arles - Marie de la Plage            Tank  77.-    Maut 0          Start 1315 km     Ziel 1687 km     gef. 272 km

Die Weiterfahrt durch die Carmague war am frühen Vormittag von einer seltsam melancholischen Stimmung geprägt. Wir fuhren zwischen der kleinen und der großen Rhone mit ihren unzähligen Seitenarmen. Das erzeugt am Morgen einen ganz eigenartigen Frühnebel, der sich wie ein feiner feuchter Schleier über das ganze Land legt. Das Land ist extrem dünn besiedelt und immer wieder tauchen riesige Reisfelder vor uns auf.
Wir sind nur etwa 20 km von der Rhonemündung entfernt, die in einem riesigen Delta endet.

Schade, daß Fotografie doch nicht alles kann. Denn hier sieht es nur nach Schlechtwetter aus, das trifft keineswegs zu. Den Zauber, der über dieser einzigartigen Region liegt, kann man nur fühlen.

Das änderte sich schlagartig als wir die Region Languedoc / Roussilion erreichten. Blauer Himmel, blaues Meer und über 30°

Oben ein kleiner Mittagsspaziergang in La Grande Motte bei Montpellier. Aber wir wollten noch weiter südlich kommen bis kurz vor die spanische Grenze. So ging es über Narbonne, Pepignan, wo wir einen winzigen SP für nur etwa 5 - 6 Womos fanden. Gratis und nur 200 m vom Meer entfernt. So taufte ich dieses Bild gleich: “Keine Spuren im Sand”. Weil man hier schon schwimmen konnte, blieben wir gleich 2 Tage. Spanien wird hoffentlich übermorgen auch noch da sein. Mit Ostspanien geht es weiter.

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