Westküste

April - Mai Stiefelumrundung Italien Teil 1   Die Westküste

Dieses Jahr sollte uns nichts mehr von der lange erträumten Umrundung des italienischen Stiefels samt Besuch von Sizilien abhalten. Die gewählte Reisezeit sollte schon blühende Vegetation und mit ein bisschen Glück etwas Badewetter bieten. Da ich über Norditalien schon viel berichtet habe, werden diesmal die Bilder erst in der Toscana beginnen.

GPS-Daten: Wir haben vorwiegend ACSI Plätze aufgesucht, da mittlerweile die Sosta SP auch ganz schön teuer geworden sind. Deshalb erübrigen sich Daten, außer an paar besonders erwähnenswerten Plätzen. Wo wir frei (wild) übernachtet haben, da möchte ich lieber keine Empfehlungen abgeben hihi.                                      Doch jetzt gehts los:

10.4.  Bergheim - Garda                           Maut 12.-     Tank 45.-     Start 0 km     Ziel 460 km     gef. 460 km


Gasprüfung und Service standen an, deshalb wurde gleich bei unserem bewährten Händler in Wiesing Station gemacht. Wohlgestärkt nach Kuchen und Kaffee ging es über den Brenner, Bozen, Trient weiter Richtung Gardasee. Anfang April waren hier schon die Buchen voll ergrünt und die Apfelplantagen in schönster Blüte. Es ist immer wieder herrlich, durch Südtirol und das Trentino zu gondeln. Wir wollten wieder bei unserem bewährten SP Bardolino übernachten. Aber leider wurde dieser Platz total verkommerzialisiert. Alles asphaltiert, Parkautomaten PKW 1.- Womo 5.- die Stunde! Ein Womo Pärchen aus der Steiermark kam auch gerade an und entrüstete sich ebenfalls über diesen Wucher. So fuhren wir im Konvoi zum SP nach Garda, schön ruhig oben am Hügel für € 8.- pro Tag. Selbstgekochtes Abendessen und ein Spaziergang durch das Städtchen mit unseren neuen Bekannten rundete diesen ersten Reisetag ab. Natürlich durfte auch ein Glas Bardolino in einer Bar nicht fehlen.

11.4.   Garda - Greve                               Maut 24.-     Tank 0.-     Start 460 km     Ziel 825 km     gef. 365 km

Diesmal viel Autobahn, um schnell in den Süden  und somit dem Schlechtwetter zu entkommen. Ein hoffnungsloses Unterfangen, wie sich später heraus stellen sollte.
Verona, Bologna, Florenz waren die wesentlichen Zwischenziele. Über den Sasso Marconi überfiel uns Starkregen und Sturm, sodaß nur mehr 30 kmh auf der AB möglich waren.

Aber Greve im Regen hat auch seinen Reiz und die Trauerweiden an der alten Brücke erzeugen eine eigenartige melancholische Stimmung.

Wir haben natürlich wieder den wunderschönen kostenlosen SP am nördlichen Stadrand aufgesucht. Für den anschließenden Stadtbummel wurde es sogar trocken und warm.

Der Original Chianti Classico mit dem schwarzen Hahn wurde leider sehr teuer. Das preiswerteste Angebot beginnt bei € 15.-

So wurde der Bummel mit Weineinkauf schon eine eher teure Angelegenheit. Es ist ein Nachteil, wenn man Fahrräder auf der Reise mit hat. Denn so kann man viel mehr transportieren als man tragen könnte. Hauptsache es schmeckt!

Müde vom vielen Sehen und Kaufen gönnten wir uns noch einen Cappu am Hauptplatz, direkt vor dem übergroßen männlichen Torso, den ich euch trotz moralischer Bedenken zeigen will. Die italienischen Künstler halten, anders als die griechischen nichts von Minimalismus.

12.4.   Greve - Ortebello                            Maut 0.-     Tank 100.-     Start 825 km     Ziel 985 km     gef. 160 km

weiter ging es durch das Chianti über Poggibonsi nach Siena.

Auch die Toscana trägt Trauer, Regen und leichtere Bewölkung wechseln sich ab.

Es hat auch seinen Reiz.
Kaum jemand unterwegs, aus den Schornsteinen steigt Rauch. Außentemperaturen um 15 Grad. Eine eigenartige Stimmung beherrscht das Land.

Vor etwa 15 Jahren las man häufig vom großen Zypressen Sterben in der Toscana.

Den steilen Berg herunter auf Siena zu sahen wir diesen erstaunlich dichten Zypressenwald.

Aus welchen Gründen auch immer, die Zypressen dürften sich prächtig erholt haben.

Als wir bei Grosseto in Meeresnähe kamen, besserte sich das Wetter endlich. Bei Ortebello war es bereits ein strahlendes Blau und im Hafen San Stefano hatten wir gar schon 30 Grad.

Das war auch gut so, da wir eine Seefahrt zum Zwecke des “Katastrophentourismus” eingeplant hatten, nämlich zur Isola del Giglio, um am Wrack der Costa Concordia vorbei zu fahren.

Die Maregiglio brachte uns um € 40.- pro Nase zur Insel und retour. Man fährt pro Strecke ziemlich genau eine Stunde.

Wenn man bedenkt, daß zwischen Insel und Festland volle 15 km fahrbares Wasser liegen, wird die Idiotie des Kapitäns deutlich, keine 100 m vom Ufer entfernt vorbei fahren zu wollen. Prahlsucht und fehlgeleitete Hormone kosteten fast 30 Menschen das Leben.
Die Insel Giglio ist auch sehr sehenswert und lebt von Fischfang und Tourismus. Das glasklare Wasser lädt zum Tauchen ein.

13.4.   Ortebello - Salerno                       Maut 10.-     Tank 100.-     Start 985 km     Ziel 1455 km     gef. 470 km

 

Heid hod mi ´s Glück valossn. So schrieb einst ein österreichischer Liedermacher. Der muß eine Vorahnung unserer Erlebnisse an diesem denkwürdigen Freitag den 13. gehabt haben. Das Wetter hat ganztags nur geschwankt zwischen Starkregen und Wolkenbruch. Deshalb gibt es vom 13. auch keine Bilder.

Geplant war, kurz vor Neapel den CP Vulcano mit Therme aufzusuchen. Also los, über Civitaveccia, Rom Umfahrung über die AB, dann Gaeta, Pozzuoli. Wieder hat prasselnder Regen eingesetzt als wir endlich über den wilden napolitanischen Vorstadtverkehr den CP erreichen. Extrem enge und steile Zufahrt, dann standen wir vor einem Torbogen mit exakt 2.10 m Breite. Keine Chance durchzukommen, auch keine andere Zufahrt möglich. Im CP standen nur Zelte und Autos bis max. VW Bus Größe. Es gibt keinerlei Hinweis im ACSI Führer!

Wieder zurück in den Feierabendverkehr durch Neapel zur nächsten AB Auffahrt, nur um raus zu kommen. Die CP´s um Pompei hatten noch zu, also wieder einmal das gar nicht mehr so liebe grüne Büchlein konsultiert. In Sorrento soll ein CP schon geöffnet haben, also nichts wie hin bei Dämmerung und Starkregen. Durch das enge Castellamare die bei Schönwetter herrliche Küstenstraße nach Sorrento. CP gefunden, aber trotz besetzter Rezeption kein Einlaß, weil sie erst bei Schönwetter aufsperren. Aber die “liebe” Dame sagte uns einen anderen CP mitten in der Stadt. Also wieder mal los. Dann kommt in einer engen Gasse, die knapp für mich alleine reicht ein Lieferwagen mit Zunder entgegen. Ich verreisse nach rechts und dann krachts gewaltig. Die elektrische Stufe hat sich als schwächer als der Gehsteig erwiesen. Nach notdürftigen kräftigen Hochbiegen der Reste kann ich wenigstens weiter fahren. Dieser CP war ebenfalls geschlossen, also Kommando retour. Auf der ganzen Rückfahrt über die Halbinsel ständig Ausschau nach einem Not-Nächtigungsplatz gehalten. Aber bei Nacht und Dauerregen findet man natürlich nichts.

Wieder auf der AB kurz nach Salerno angekommen reichte es mir. Auf dem nächsten AB Autogrill tat ich etwas, was ich sonst nie mache: Nächtigen am AB Parkplatz. Geparkt wurde direkt vor dem Autogrill Eingang, da eh fast keine Kunden mehr kamen. Einzig die rote Cola Blinkreklame hat etwas gestört, sonst haben wir den Schlaf der Gerechten geschlafen. Passiert ist uns nichts, sicher haben die ehrenwerten Herren der Camorra über unseren Schlaf gewacht.
Was habe ich daraus gelernt?    
An einem Freitag den 13. fasse ich nie mehr ein Womo Lenkrad an!

14.4.   Salerno - Praia - a - Mare                    Maut 0.-     Tank 0.-     Start 1455 km     Ziel 1638 km     gef. 183 km

Hier wurden gerade die Unterführungen zur Meerseite wegen Überflutung gesperrt.
Beide CP´s geschlossen, selbst der SP war mit einem Schlagbaum versperrt, na wurde halt wieder mal wild gecampt. Wenn es so weiter geht und jeden Tag Heizung und Kühlschrank Gas verbrauchen, wird es für 5 1/2  Wochen doch eng mit den 2 x 11 kg.

Aber irgend wann muß es ja auch schöner werden. Wozu sind wir denn in bella Italia?

Wegen des Dauerregens haben wir beschlossen im Landesinneren weiter nach Süden zu fahren. Etwa ab der Grenze zu Kalabrien kam auch noch Sturm hinzu. Die Flüsse führten Hochwasser und ständig gabs Blaulichter von Polizei und Feuerwehr.
Wir sind schon angenehmer gereist. ;-(
Zurück zur Küste über zig Serpentinen ging es vorbei an Maratea. Der große Mann war wegen Regen nicht zu sehen. Wir kamen doch schließlich in Praia an.

Geht doch, ab morgen wird das Wetter besser.

15.4.   Praia - a - Mare  - Palmi                       Maut 0.-     Tank 100.-     Start 1638 km     Ziel 1856 km     gef. 218 km

Wir merken, dass durch das fast ständige Abfahren der äußerst möglichen Küstenlinie der Spritverbrauch schon ganz enorm wird. Aber wir haben uns das eben vorgenommen und darum wird hier auch nicht gejammert.

Es folgt eine Traumbucht der anderen und der Verkehr auf den Nebenstraßen ist ganz gering geworden. Man merkt die dünnen Besiedelung Kalabriens schon deutlich.

Mitte: im Hintergrund kann man schon den Ätna auf Sizilien erahnen

Links: die Kakteenfelsen von Palmi

16.4.   Palmi - Giarre                               Maut 3.-     Tank 0.-     Start 1856 km     Ziel 1962 km       gef. 106 km

Der Regen hatte uns schon wieder eingeholt, aber wir erreichten problemlos Villa  san Giovanni zwecks Buchung einer Fährenpassage.

Die BluVia nahm uns stolze € 83.- hin-retour ab, aber wir mussten dafür nicht mal 10 Minuten warten.

Endlich erschien aus Regen und Nebel die Stadt Messina mit ihrer Hafenanlage.

Wie es auf Sizilien weiter ging folgt in Teil 2.