19. 6. Sibiu - Sovata  180 km

In Medias klinken wir uns von unserem Grüppchen aus und fahren zu einem privaten Abstecher nach Mosna. Dort besuchen wir eine bekannte Familie, die Mitglied in der Wwoof  Gemeinschaft ist. Familie Schuster betreibt hier biologischen Landbau. Lavinia führt mit ihren älteren Kindern und einem Arbeiter die Landwirtschaft, während ihr Gatte als Dolmetscher arbeitet. Die Kinder sprechen perfekt rumänisch, englisch und deutsch. Eine sehr nette und  interessante Familie. Einigen Biokäse kaufen wir natürlich von Lavinia, weil sie auf den besonders stolz ist. Ihre Produkte verkauft sie auch auf dem Wochenmarkt in Sibiu.

Für Interessierte: www.wwoof.at   We´re Welcome on Organic Farms)

Rumäniens erster Freilauf Stall für Rinder

Der Meister bei der Arbeit und rechts die gestrengen Kontrollore.

Wir dürfen aber nicht allzulange bleiben, denn heute winkt ein ungarischer Abend und so sehen wir zu, dass wir die Truppe wieder einholen.

Weiterfahrt nach Sovata. Dies ist ein sehr beliebter Thermenort in Siebenbürgen. Ungarn stellen hier die stärkste Minderheit. Deshalb werden wir abends mit einem herrlichen Kesselgulasch verwöhnt, das schon den ganzen Nachmittag köchelt.

Ursprünglich wurden in dieser Gegend von den Habsburgern ungarische Kleinadelige vorrangig als Grenzschutz angesiedelt. Wegen ihrer winzigen Ländereien von den Sachsen auch geringschätzig als “Zwetschkenbarone” bezeichnet.

Mit echter ungarischer Live Musik und einer Husarengruppe werden wir bestens verwöhnt und da morgen wieder Busausflug angesagt ist, darf auch das eine oder andere Gläschen konsumiert werden.

20. 6. Busfahrt nach Sighisoara / Schässburg

Mittelalterlich erhaltene Burg mit Türmen und Basteien, sowie einer der wenigen gotischen Kirchen Siebenbürgens am höchsten Punkt der Burg. 192 Stufen führen in einer überdachten Holzstiege hinauf.
Praktischerweise ist auch die Schule dort oben. So haben die Schüler nie Bewegungsmangel
Natürlich hat auch uns die Neugierde hinauf getrieben. Eine herrliche Aussicht auf das umliegende Land war der Lohn. Auch der  Geburtsort von Vlad Dracul wird besichtigt, samt dazu gehörigem Dracula Cafe.

Diese Stadt ist bereits stark vom Tourismus geprägt und es wird an allen Ecken und Enden gegraben, gepflastert, betoniert etc.... Leider fallen auch viele alte Bürgerhäuser der Spitzhacke zum Opfer, um für Hotels Platz zu machen.

Und schon sitzen/liegen 43 müde Menschen und drei nicht weniger müde Hunde wieder im Bus.

Schnell etwas neue Kraft schöpfen, denn jetzt geht es auf nach Bierthan

Hier finden wir eine der besterhaltenen Kirchenburgen, oder soll ich lieber schreiben Wehrkirchen? Ok, das mag jeder nach seinem Empfinden beurteilen.
Jedenfalls wurde Bierthan  auch ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen.

Ein junger und sehr humorvoller Geistlicher erklärt uns viele Details, wie die Kirche katholisch gebaut wurde, aber im Zuge der Reformation zur evangelischen Kirche umgewidmet wurde. Die sehr teure kath. Altarplatte aus Marmor war schon fertig, konnte aber nicht verbleiben. Doch die sparsamen Sachsen konnten sie natürlich  auch nicht wegwerfen. Deshalb fand sie Verwendung als letzte Stufe in der Treppe.

Mittagessen im evang. Gemeindezentrum

Der Speckturm, denn auch die Belagerten konnten nicht nur von Gebeten allein leben, sondern brauchten etwas herzhaftes um Kraft und Kampfmoral aufrecht zu erhalten.

21. 6. Sovata - Bran  210 km

Der Hauptaltar besticht durch seine Schlichtheit und die klaren Linien. Es geht auch ohne Pomp, wie man sieht.

 

 

 

 

 

Unten das in jedem Reiseführer erwähnte Schloss. Es wurden mit einem einzigen Schlüssel 14 Riegel betätigt, um den Kirchenschatz zu behüten. Trotzdem wurde er gestohlen.

 

Der Dietrich wurde nämlich schon im 15. Jh. erfunden. Trotzdem ist das Schloss sehr bemerkenswert, denn es braucht nie geölt zu werden und ist doch leichtgängig wie vor 400 Jahren.

Eine Tour auf einer Nebenstrasse mit 1000 Schlaglöchern, die angeblich gegenüber dem Vorjahr schon deutlich repariert wurde.

Ein High-tech Baumstriezel Bratgerät, angetrieben von einem Scheibenwischermotor

Unverhofft kommt oft. Auf freier Landstrasse nähern wir uns einem riesigen  gut besuchten Markt.

 

Da müssen wir  natürlich auch hin.

 

Franz hat schon alles und ruht sich lieber aus.

Weiterfahrt zur Wehrkirche Homorod. Der 81-jährige Küster kennt die Geschichte der Gegend perfekt und ist traurig, daß die deutschsprechende Bevölkerung ausstirbt. Homorod hat ca. 3000 Einwohner, davon nur mehr 14 evangelische Seelen. Der Küster ist einer der “Jüngsten”..

Die Kirche ist recht gut erhalten, weil es der Küster versteht, immer wieder Leute für Reparaturen zu motivieren. Natürlich für Gotteslohn.

Leider werden hier keine Messen mehr abgehalten und die schöne einmanualige Orgel mit Vollpedal wurde auch seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt. Eine Mitreisende wusste, dass ich Keyboard und Orgel spiele. So sollte diese lange Pause beendet werden.

 Naja es kam wie es kommen musste. Ich musste hier eine kleine Kostprobe meines Orgelspiels abgeben. Meine Ausrede, dass hier niemand weiss, wie man die Bälge tritt, wird nicht ernst genommen und schon sind emsige Bälgetreter am Werk. Na dann gebe ich halt  das Spiritual “Nobody knows the trouble I´ve seen” mehr oder weniger schön interpretiert, aber dafür mächtig laut zum besten.

Der alte Küster war ganz gerührt, “seine” alte Orgel noch einmal zu hören  und die Mitreisenden haben es auch überlebt.

Das Ziel unserer heutigen Reise ist Bran mit einer unfreiwilligen Stadtbesichtigung von Brasov / Kronstadt, da wir die Abzweigung nicht rechtzeitig finden.

Im Gegensatz zur Einfahrt ist der CP einer der schönsten auf unserer Rumänienreise und ein sehr freundlicher englisch sprechender Manager hilft, wo er nur kann..
Dank dieser  Tüchtigkeit kann der weltberühmte Vampirwein erworben werden, ein überraschend trockener Merlot. Eine Wohltat nach dem übersüssen Rotwein Angebot Rumäniens.

Es gibt sogar ein kleines Geschäft im CP samt Geldwechsel. Der einzige CP auf unserer Reise, der das bietet. Die Rumänen müssen in punkto Geschäftsmöglichkeiten erkennen und nutzen halt noch viel aufholen..
 

22. 6. Busfahrt nach Brasov / Kronstadt

Eine vorbildlich erhaltene und renovierte Altstadt begrüsst uns und beweist in Europa, wie es gemacht wird. Hier ein Blick aus der Vogelperpektive, vom Hausberg, der per Stadtseilbahn leicht erreichbar ist.

Rechts: Das Rathaus sieht wie eine Kirche aus.

Der “schwarze” Turm

Die schwarze Kirche, das Wahrzeichen von Brasov wurde von k&k Soldaten im Zuge der Reformationskriege angezündet. Vorher wurde sie aus Kanonen beschossen. Die Einschusslöcher sieht man noch heute.

Mitte: Der weisse Turm

Brasov ist wirklich einen ausgiebigen Besuch wert. Selbst das Mittagessen in bester Altstadtlage ist hervorragend und preiswert, wie die obige Speisekarte beweist.

Wir haben die Besichtigung dieser altehrwürdigen Sachsen - Stadt mit ihrer wechselvollen Geschichte sehr genossen. Aber anstrengend war es schon.

Der späte Nachmittag bringt die noch Gehfähigen zum sehr berühmten Schloss Bran, wo alle Dracula Filme gedreht wurden. Hat natürlich mit Dracula, ausser der Filmkulisse nichts zu tun.
Heute ist es ein Kleinod von einem prächtig restaurierten Schloss, mit zeitgenössischen Möbeln eingerichtet. Es hat früher der Königin als Sommerresidenz gedient.

Das Schloss- fräulein zeigt sich heute von ihrer grimmigen Seite.

Die Schloss-
gespenster dürfen          natürlich auch nicht fehlen

Von links nach rechts: Poldi                Heinz             Renate             Elfie

Alle sind sich einig: Das ist das schönste Schloss, das wir seit langem zu Gesicht bekommen haben
Trotzdem: Bran ist Dracula City. Das belegen die zahllosen Verkaufsstände am Fusse der Burg, die jeglichen Gruselkram und Kitsch, meist made in China an Frau und Mann zu bringen versuchen.

Der Abend hat es mit uns nicht gut gemeint: Ein altersschwacher Bus soll uns in die Berge zu einem guten Speiserestaurant bringen. Bei einer Steigung etliche km vor dem Ziel gibt der Bus den Geist auf. Unser Dolmetsch Winnie, sowie Elfie und Peter verhandeln mit dem Busfahrer. Aber es hilft nichts: Wir alle müssen anschieben, um den Bus wieder zu starten. Und das bergauf! Naive Leute wie ich und viele andere plagen sich ziemlich. Leider ohne Erfolg. Erst jetzt entdecken wir zufällig bereitstehende Pferdefuhrwerke, die wir dann für die letzten km in Anspruch nehmen. Einige glauben heute noch, das haben unsere Reiseleiter extra inszeniert.

1-PS Pkw überholt einen 1-PS -Lkw

Die Kutschenfahrt bei einbrechender Dämmerung war ein besonderes Erlebnis, nur unserem Spaniel Amigo kam es etwas suspekt vor.

Endlich angekommen im Restaurant.
Vom Bus-Schieben hungrig gemacht können wir das Abendessen kaum erwarten.

Doch erst kommt der Schnaps, denn dieser wird hier vor dem Essen getrunken.


Wer könnte der holden Maid schon einen Korb geben?

So opfert man sich halt auf.

Ein gut gelungenes Abendessen stärkt uns wieder nach der aufregenden Fahrt mit den Fuhrwerken. Eines müssen wir schon einsehen: Abnehmen werden wir bei dieser Reise wohl kaum. Doch das ist auch nicht der Grund für die Fahrt.

Moderne und laute Live Musik von der im Erdgeschoss stattfindenden Tauf-Feier lassen zum schönen Abschluss Anni und Franz noch einen flotten Twist wagen.

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