1. 7.  Sucevita - Viseul de Sus  160 km

Die B18 soll uns heute nach Westen in die letzte Region Rumäniens nämlich Maramures bringen. Die schlechteste Straße der bisherigen Reise läßt kaum Blicke auf die Gegend zu. Manchmal kann man sich nur aussuchen, ob man in das linke oder das rechte Schlagloch fällt.
Es geht über einen Paß bis auf 1400 m hinauf und hier kann man den ungeheuren Waldreichtum der Gegend erkennen.

Am Zielort angelangt finden wir auf einem großen Sägewerk einen einfachen Stellplatz, teils betoniert, teils “naturbelassen”, direkt neben den Schienen der Wassertalbahn.

Weder Technik, noch Tier überstehen die Strapazen ohne Blessuren.


Rainers Womo wird mit einigen Helfern wieder instand gesetzt, während sich Amigo einen Dorn eingetreten hat, der sich entzündete. Ein sehr netter Tierarzt hat ihn mit einigen Antibiotika Injektionen und Verband wieder flott gemacht.

2. 7. Fahrt mit der Wassertal Bahn

Wir nehmen Platz: Offene Waggons mit Holzsitzen, gezogen von einer altehrwürdigen Dampflok, der Helvetia.

Die Lok tankt Wasser aus der Wasser

    ;-))

Das Schmalspur Schienensystem dient vorwiegend dem Holztransport und verläuft etwa 10 km südlich der ukrainischen Grenze. Forsche Grenzsoldaten in den verfallenen Bahnstationen sollen vorwiegend Zigaretten- und Menschenschmuggler aufgreifen.
Die heftig keuchende und rußende Dampflok bringt uns nach 3 Stunden ziemlich genau 30 km weiter auf eine Hochalm. Hier ein paar Beispiele über die angewandte Brückenbaukunst über die Wasser. Es gibt das Standardmodell mit einem Baumstamm, aber auch die Luxusausführung mit zwei Stämmen ist vertreten. Der Fluß heißt tatsächlich Wasser, offenbar waren die Namensgeber nicht mit einem Übermaß an Phantasie gesegnet.

Zwischen- durch muß die Lok auch kleinere Verschub- arbeiten mit teil-
beladenen
Holzwag- gons erledigen, um die Strecke wieder frei zu bekommen

Kleiner Nachtrag:
Drei Wochen nach Ende dieser Reise erfuhren wir im TV, daß durch mehrere Hangrutsche das Schienensystem auf eine Länge von 10 km völlig zerstört wurde und nun im Fluß liegt. Ob die Bahn jemals wieder aufgebaut wurde, haben wir nie erfahren.

Nach einstündiger Rast auf einer schönen sonnigen Hochalm geht es schon wieder heimwärts mit derselben Geschwindigkeit.

 

Friert Anna, oder hat sie Angst?

 

Um 16.00 Uhr, wesentlich pünktlicher als die ÖBB, landen wir wohlbehalten, aber gut durchgeschüttelt am Hauptbahnhof von Viseul de Sus.

Jetzt verstehe ich, warum James Bond seinen Martini nur gerührt und nicht geschüttelt mag!

Abendliche Idylle am Stellplatz:

Links: Günter, der Minimalist, er spart sogar das h im Namen ein. (C) Peter Schuster)

Rechts: Heinz verbessert den Stellplatz um gut 100%

 

 

Links unten: Auch Minimalisten, aber dafür rasend schnell, Anni und Klaus.

Rechts unten: Es wird nirgendwo soviel getrunken wie überall!

3. 7.  Busfahrt zu den Stabkirchen (Holzkirchen)

Der Besuch der berühmten Holzkirchen in der Maramures ist unbedingt zu empfehlen. Holz ist der Reichtum des Landes und dominiert daher beim Häuser- und Kirchenbau.

Die älteste Holz- kirche in Leud stammt aus dem 15. Jahrhun dert.

Eine der seltenen Innenauf nahmen

In Leud gibt es auch ein Webereimuseum, das zeigt den Weg vom frischen Hanf bis zu einer fertigen Tischdecke. Alles innerhalb eines Weberhaushalts

Der 11-jährige Museumswärter führt alle Arbeitsschritte gekonnt und mit sichtlichem Stolz vor.

Zuletzt zeigt er noch, wie über ein Zusatzpedal auch noch die Wiege geschaukelt wurde beim Weben.

Auf der Weiterfahrt kommen wir zum Kloster Bärsana. Hier bleibt uns vor Staunen der Mund offen, wenn man die sonstige Armut bedenkt.

Die sehr frommen Rumänen lassen Gebete praktisch für alle denkbaren Anlässe sprechen.

Der Priester eines Klosters erzielt eine bessere Wirkung, als der Dorfpriester. Deshalb sind hier die Gebete wesentlich teurer und die Preise scheinbar auch gerechtfertigt.
Daraus erklärt sich der erstaunliche Reichtum mancher Klöster

Schon der Eingang zum Gottesacker ist ein Wunder an Schnitzkunst.

Die Stabkirchen Rona de Jos und Bocicoiu sind kleiner, wobei letztere aus Eichenholz gebaut ist. Sonst überwiegt Tanne als Baumaterial.

Die sehr wehrhaft anmutenden Fenster

Jeder Gläubige betritt mit demütig gesenktem Kopf die Kirche.
Wer darauf vergisst, wird recht unsanft an die Demut erinnert.

Hier versteht man das Wort Schwelle richtig:
Halte das Böse draussen und heiße das Gute Willkommen

Wir nehmen Abschied von der “Gstettn”

Viele und starke Eindrücke aus der Maramures begleiten uns, sind doch die hier wohnenden Menschen durch ihre Bodenständigkeit uns ähnlicher als andere Rumänen.
Die Verwurzelung mit der Heimat merkt man an der Pflege des Landes. Hier liegt nichts brach. Selbst die Bergweiden werden bearbeitet. Gepflegte Häuser, teilweise auch wieder neu aus Holz gebaut und immer mit meisterhafter Schnitzkunst verziert, begeistern uns auf der vorletzten Station in Rümänien.Auch die Eingangstore wie im obigen Bild sind immer individuell geschnitzt und jedes für sich ist ein Kunstwerk.

Hier müssen wir auch Abschied nehmen von unseren Dolmetschern Anna und Wini Ziegler.

Anna hat uns durch ihr enormes Wissen um die Geschichte der Klöster immer wieder beeindruckt und Wini ist, wie schon erwähnt ohnehin ein lebendes Geschichtslexikon.
                               Ganz herzlichen Dank Euch beiden.

4. 7.  Viseul de Sus - Debrecen  290 km

Eine lange Fahrt, aber wir müssen nach Westen. Es gibt in Sapanta noch einen Pflichtaufenthalt: Der lustige Friedhof.
Hier wird humorig in Text und Bild auf den Grabtafeln über die guten und auch weniger guten Taten des Verstorbenen berichtet. Jede Grabtafel wird nach 20 Jahren noch einmal neu bemalt. Nach weiteren 20 Jahren ist auch das Holz so morsch, daß das Grab einem anderen Verblichenen zugewiesen wird.
Die  Übersetzungen stammen von Winfried Ziegler und Doina Moldovan. Herzlichen Dank.

Hier ruhe ich
Pop Gheorghe heiße ich
Schau was mir passiert ist,
Ich habe alle traurig gemacht.
Die Töchter sollen mich beweinen,
Die Frau soll es vermuten
Und ich hatte auch einen Sohn Welchen ich mit großer Trauer zurückgelassen habe
Als Gast auf dieser Welt.
Ich war Vizebürgermeister
Und habe dem Dorf gutes getan.

Er lebte 48 Jahre.

Hier ruhe ich

Manaila Ion heiße ich
Ich war der Ion von der Nani
Wenige wie mich gibt es
So anständig und so schön
Aber ich hatte kein Glück
Denn ich bin jung gestorben
Und Verwese im Boden
Liebe Mutter und Frau
Gott möge euch trösten
Meine Kinder und Enkel
Euch habe ich innig geliebt.
Und damit ihr weiter wisst
Seht auf die andere Seite.

1943-2001

Hier ruhe ich

Turca Marie heiße ich
Seid meiner jungen Kindheit
Marie Honghi sagte man mir
Ich war ein kleines Mädchen
Und ging in den Kindergarten....

Kam ein Laster mit großem Schwung
Und ich musste sterben
Getroffen vom Auto

Ewig aus meiner ..
Habe die Eltern traurig zurückgelassen
Und trauernde Großeltern....

Mit 3 Jahren

Hier ruhe ich

Pop Grigore heiße ich
Mir hat der Traktor gefallen
Und mit der Flasche die Sehnsucht zu besänftigen.
Ich habe mit dem Ärger gelebt,
dass der Vater mich klein bleiben lassen hat
Vielleicht war es mein Schicksal
Jung mein Leben zu lassen
Sehr jung bin ich gegangen.

Er lebte 33 Jahre,

Hier ruhe ich

Pop Marie Tochter von Tincu
heiße.
Wohl bitter war es so lange ich in der Welt lebte.
Eingezogen mein Gatte wurde und nie zurück kam.
Lange stand ich am Hoftor und verkaufte schöne Wolldecken
und auf ihn wartete.
Mein Leben nahm ein Ende ….

Hier Ruhe ich

Pop Marie heiße ich
Wie viele Tage mir geschenkt waren
Soviel Tuch habe ich gewebt
Und bin nicht sehr alt geworden
Der Tod hat mich getroffen
Soviel Boden habe ich bekommen
Zwei Quadratmeter
Das ist mein Besitz
So lange ich auf der Welt war

Mit 65 Jahren
Habe ich diese Welt verlassen.

1895-1960

Die Weiterfahrt über Satu Mare ist weniger anstrengend, da nach Westen zu die Straßen besser werden. In Valea lui Mihai werden noch schnell die letzte Lei verpraßt, schon geht es an die ungarische Grenze. Auch hier ist das Betreten des Womo durch Grenzpolizisten obligatorisch.
In Debrecen durchfahren wir die Stadt, um am Thermentempel Hajduszoboszlo unseren letzten CP dieser Reise aufzusuchen. Welch ein Luxus nach drei Wochen Askese! Ein herrlicher CP und direkt an der riesigen Thermalanlage, die natürlich ausgiebig genutzt wird.
Abends in der Stadt erwartet uns dann das Abschiedsessen mit unseren Reiseleitern Elfie und Peter, die dann auch mit einer kleinen Aufmerksamkeit und viel Lob für die schöne Reise verabschiedet wurden.

5. 7. Debrecen - Salzburg  900 km

Wegen der langen Strecke kurze Verabschiedung von den noch verschlafenen Reisegenossen. Um 7.00 Uhr brummt der Diesel. Über eine traumhafte Autobahn geht es nach Budapest. Hier noch einige Eindrücke von der Stadtdurchfahrt:

Von der Budapest Durchfahrt sollen einfach nur die Bilder wirken.

Ich hoffe, dieser Reisebericht hat Euch Freude und auch etwas Information gebracht.
Herzliche Grüße an alle, die drei Wochen Rumänien mit uns gemeinsam erlebt haben und vielleicht treffen wir uns wieder einmal mit Elfie und Peter auf einer großen Entdeckungsreise?

Servus, Walter Z.

Fahrt über die Elisabethbrücke mit Sicht auf die Kettenbrücke. Links die Burg, rechts die Fischerbastei. Erkenntlich am eingerüsteten Turm der Kirche, die Gerüste haben wir auch im September 2009 noch angetroffen.

.