2007

Die Herbstreise Ende September 2007 in das Südburgenland, Oststeiermark und das Mühlviertel in OÖ (Wein- und Ölreise)

Die Herbstreise 2007 hatte auch einen etwas traurigen Untertitel: Bis dass der Rost uns scheidet.

Es war die letzte Fahrt mit dem mittlerweile 18 Jahre alt gewordenen Hymercamp-59, der uns 10 Jahre lang treue Dienste geleistet hat. Leider sind die Rostschäden an der Karosserie immer schlimmer geworden, sodass mir als nicht-Autobastler keine andere Wahl blieb, als ein neues Fahrzeug zu kaufen. Eine günstige Fügung führte dazu, dass ausgerechnet ein Karosseriebauer das Womo kaufte, der sich leicht selbst helfen kann.

Das ist unser letztes Bild von dem braven Gefährten.

Für die Anreise haben wir Salzburg - Schladming - Leoben - Krieglach - Alpl - Hartberg - Oberwart ausgewählt. Die “Gastarbeiterroute” bis Leoben war, wie immer: Langweilige Autobahn und Kolonnenfahren zwischen Radstadt und Liezen, dem autobahnlosen Stück auf dieser Strecke.

Ab Krieglach wurde es interessant. Hier ist der große Heimatdichter Peter Rosegger begraben.
Ein kurzer Gang zum Friedhof fiel zeitlich ungünstig, weil gerade das Grab umgestaltet wurde.

Aber die anschließende Fahrt über das Alpl ließ uns erahnen, was er eigentlich mit Waldheimat gemeint hat. Endlose dunkle Wälder und dann das Geburtshaus,  fast auf der Paßhöhe. Jetzt verstehen wir, was das für eine Leistung war, als der junge Peter Christtagsfreude holen ging.

Der weitere Weg talwärts führte uns kleine Seitenstraßen nutzend am Chorherrenstift Vorau vorbei direkt nach Hartberg. Aber da das uns bisher unbekannte Südburgenland lockte, gab es hier keine größeren Aufenthalte oder Fotos.
Das Kleinflugzeug als Zierde eine Kreisverkehrs will ich Euch aber doch nicht vorenthalten.

Nach Hartberg überquerten wir bald die Grenze zum Burgenland, um kurz darauf Oberwart zu erreichen.

Von nun an ging es südwärts weiter Richtung Großpetersdorf, wo wir liebe Freunde treffen wollten, die uns eine Uhudler Lehrfahrt versprochen haben..

Nach langem Wiedersehen feiern und Erzählen mussten wir doch früh die Betten aufsuchen, da für den nächsten Tag eine grössere Tour in das südöstliche Burgenland geplant war.
Naja aus 8 Uhr Abfahrt wurde halt 8 Uhr Beginn des Frühstücks. Die Stunde Verzug haben wir mit dem Verzicht auf Besichtigung der Burg Güssing gebüsst. So ging die Fahrt über Kohfidisch, St. Michael, Güssing, Hamerlberg, Strenger Berg nach
Heiligenbrunn. Das ist das Mekka für Uhudler Liebhaber.

Der Uhudler wird aus direkt tragenden Reben, wie Ripatella, Othello, Isabella, Delaware gewonnen. Diese Sorten sind Reblaus resistent und wurden Anfang des letzten Jahrhunderts aus den USA eingeführt, da alle heimischen Rebstöcke von der Reblaus vernichtet wurden.
Die Kellerstöckl, wie man im Südburgenland sagt, sind in Heiligenbrunn etwa 80 Holzbauten, lehmverputzt und gekalkt. Natürlich ist das Dach mit Stroh gedeckt. Sie sind alle denkmalgeschützt und werden noch voll bewirtschaftet.

Von hier aus ging die Fahrt weiter nach Moschendorf mit seinem berühmten Weinmuseum. Dieses vertritt nicht nur den Ort, sondern die gesamte Region.

Ein Kellerstöckl beinhaltet ausser dem Presshaus und Weinkeller auch immer ein oder zwei einfache Wohnräume, damit die Arbeiter nicht jeden Tag den oft langen Weg ins Dorf antreten mussten. So soll angeblich auch der Name Uhudler entstanden sein. Die Männer hatten zwar Brot und Speck mit, aber zu trinken hatten sie nur Wein. So soll einer nach tagelanger harter Arbeit von seiner Frau wie folgt begrüsst worden sein: “ Du schaust ja aus wie ein Uhu”

Im Südburgenland wird natürlich nicht nur Uhudler angebaut, sondern unter anderem auch Veltliner und Bläufränkisch. Zweigelt nicht so gerne, weil Dr. Zweigelt war sein Leben lang ein erklärter Feind des Uhudler und wollte sogar seine Ausrottung bewirken.Das tragen ihm die Heiligenbrunner heute noch nach.

Die Bank war schon durchgebogen, bevor wir uns  darauf gesetzt haben!

Die Weinverkoster bei ihrer schweren und aufopfernden Arbeit.

Auf der Weiterfahrt durch die Weinstrasse immer ganz nahe der ungarischen Grenze:

Auf der Fahrt zum Eisenberg hatten wir auch einen schönen Blick zum “Dreimäderlhaus” Es sind drei idente Häuser jeweils durch eine Glasgalerie verbunden. Ein bekannter Wiener Architekt ließ das etwas deplaciert wirkende Bauwerk für seine drei Töchter errichten. Das linke Haus ist durch das davor stehende etwas verdeckt.
Aber der Eisenberg hat auch einen ganz besonderen Wein. Durch den hohen Erzgehalt des Bodens bekommt der Blaufränkische eine ganz eigenartige, aber sehr angenehme Geschmacksnote. Am höchsten Punkt des Berges gibt es eine neue Vinothek, die diese edlen Tropfen anbietet. Man soll hier nicht nur Wein kosten, sondern auch die traumhafte Aussicht bestaunen.

So verging der erste Tag unserer Wein-Lehrfahrt wie im Flug. Müde kamen wir abends wieder beim Womo an.

Der nächste Tag führte uns auf die rote Route.
Es ging über Oberwart,  Pinkafeld nach Bad Tatzmannsdorf. Etwa 500 m neben der Therme befinden sich Stellplatz und  Campingplatz. Keine Bilder, leider Kamera im Auto vergessen..
Anschließend ging es weiter zum privaten Kellerstöckl unserer Gastgeber in eine Weingegend, die hier aus Diskretion verschwiegen wird.

Der Abend wurde noch zum ausgiebigen Plaudern genutzt, denn am nächsten Morgen sollte es bereits weiter gehen.

Hier könnte man es länger aushalten, doch alles Schöne hat ein Ende.

Auf unserer Weinreise ging es jetzt in die grüne Mark, denn in der Oststeiermark gibt es nicht nur Obst, sondern auch guten Wein.
Unser Ziel Sinabelkirchen erreichten wir nach gemütlichen 3 Stunden Bummelfahrt, teils Autobahn, teils Bundesstraße. Das Weingut Timischl liegt auf einer Anhöhe etwas außerhalb des Ortes. Die Steigung ist mit dem Wohnmobil problemlos zu meistern.

Hier haben wir noch die letzten Zulademöglichkeiten genutzt und etliche weiße und rote Tröpfchen eingekauft. Der Rest des Tages verstrich bei einem langen Spaziergang wie im Flug und Abends wurde natürlich der Buschenschank besucht, da uns die Besitzerin schon beim Weinkauf angeboten hat, hier zu übernachten. Ein sehr empfehlenswerter “Stellplatz” für 1 bis 2 Nächte.

Der nächste Tag sollte ein reiner Reisetag werden, da wir für den Tag darauf schon in der Ölmühle Haslach zur Teilnahme an einer Führung angemeldet waren.
Eine diagonale Durchquerung Österreichs vom Südosten in den Nordwesten stand bevor. Da uns das bisherige traumhafte Herbstwetter verlassen hatte und Nieselregen anstand, habe wir es uns leicht gemacht und einfach den geraden Weg auf der Autobahn gewählt. Also Graz - Liezen - Linz.
Nach der Überquerung der Donau ging es auf der Mühlviertler Bundestrasse weiter nach Nordwest. Haslach war am frühen Nachmittag erreicht und es war noch genug Zeit für einen Stadtbummel.

Wie meist im Mühlviertel gibt es praktisch kaum ebene Stellen. Entweder gehts bergauf, oder bergab.

Auch die Zufahrt zur Mühle ist eine sehr steil abfallende, enge  Straße, die an unserem Besuchstag zusätzlich noch von vielen  Baumaschinen bearbeitet wurde.

Wegen des Baulärms war eine Übernachtung direkt neben der Mühle nicht sinnvoll. Wir haben unterhalb Haslach einen  riesigen Firmenparkplatz gefunden. Ausser abgestellten Baumaschinen gabs keine Nachbarn. Ganz wohl fühlten wir uns da nicht, aber es gab keine Probleme.

Am nächsten Morgen waren wir pünktlich knapp vor 10 Uhr an der Mühle, weil wir ja mit der Gruppe von etwa 8 Besuchern mitgehen sollten. Die Verwalterin hat uns begrüsst und uns mitteilen müssen, das die Gruppe abgesagt hätte. Nachdem sie unsere langen Gesichter gesehen hatte, hat sie uns spontan eine exklusiv Führung für 2 Personen angeboten. Super!
Aber jetzt lassen wir die Bilder sprechen.

Der Betrieb wurde in der Nachkriegszeit modernisiert, aber Elektromotoren waren damals sehr teuer. So wurde ein zentraler Hauptmotor eingebaut und über zahlreiche Transmissionen und offen verlaufende Flachriemen die Kraft zu den einzelnen Maschinen gebracht. Entsprechend ist auch der Lärmpegel im Produktionsbereich. Man muss schon aufpassen, dass man nicht in ein Vorgelege oder einen Flachriemen kommt,
Leider wurde bei der Modernisierung die mit Wasserkraft betriebene Mühle stillgelegt.

Dieser Handlauf hat noch nie Farbe oder Lack gesehen. Aber die öligen Hände der Arbeiter haben ihm eine perfekte Lasur verpasst.

Ein paar Bilder aus dem musealen Teil der Anlage sollen den Bericht noch ergänzen. Hier wurde schon vor Einführung der Wasserkraft durch rein menschliche Schinderei Öl gepresst.

Natürlich gab es zu Abschluss noch die Möglichkeit einzukaufen, die wir auch reichlich nutzten. Leinöl, Rapsöl, Distelöl und Kernöl war unsere Beute. Dann galt es nur noch, alle eingekauften Schätze sicher nach Hause zu bringen und im Keller zu verstauen.

Das war unsere letzte Reise mit unserem Hymercamp-59 . Wir hoffen, es hat euch Spass gemacht, dabei zu sein.

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